Gina Rickenmann

Vorwörtliches

Es mag hier der fleissige Leser, die fleissige Leserin fragen wer hinter all diesen umfangreichen Arbeiten steckt. Insbesondere die Stollenwelten sind keineswegs alleinig erkundet, dies wäre definitiv viel zu gefährlich.

Ich war während einem Jahr voller Abenteuer oft mit Gina unterwegs, tragischer weise nahm ihr Leben am Ostersonntag den 20. April 2014 ein unerwartetes Ende und dies, entgegen oft eingegangenen Risiken, weit fern etwelcher Stollen und Bergwelten. Und wenn ich Gina doch weit länger als 1 Jahr kannte so wuchs eine intensive Freundschaft in jenem Jahr Bergbauforschung.

Ergo solle diese Seite meiner oft geduldigen Begleiterin Gina Rickenmann gewidmet sein.

Und,

Die Seite hier soll ein wichtiger Lebensabschnitt von Gina dokumentieren auf dass sie ewig in meinem Herzen weiterlebe.

Und,

Die Seite solle auch guten Freuden ein Stück wertvolle Erinnerung weitergeben, ein Stück Ginas Geschichte.

Gina im Five Spice

Gina im Five Spice

Erstmalige Begegnungen mit Gina standen ganz im Zeichen der Transidentität. Sowohl ich wie auch Gina lebten die oft konfliktbeladene und doch emotional wunderschöne Metamorphose vom Manne zur Frau. Folglich war unsere erste Begegnung am einer jener zahlreichen Transgender-Treffpunkte, genannt hierbei der Transensyndikatsstammtisch, damals noch im Hot Pot. Aus jenen ersten Begegnungen erwuchsen Gespräche auch zum Thema Bergbau.

Bergbauforschendes

Und, naheliegend, aus denn genannten Gesprächen, entwickelte sich bald die allererste gemeinsame Erkundung. Diese Forschungsreise führte uns am 13. April 2013 nach Herdern Thurgau auf der Suche nach den verschollenen Kohlebergwerken. Statt indes Bergwerke zu finden, gruben wir stattdessen ein Preussischer Adler aus dem Waldboden.

Die Geschichte dazu, Das Geheimnis des preussischen Adlers

Kurze Zeit verstrich und Gina überraschte mit einer äussert interessanten Geschichte nahe ihrem Wohnort. Sie führte mich und Matti, der 3te im Bunde, an malerischer Glatt östlich von Uzwil wo einst an Nagelfluhwand feinste Molassekohle zu Tage trat. An dortiger Stelle, so wusste sie zu berichten, solle, zu Zeiten des 2. Weltkriegs, einst ein Stollen getrieben worden sein und tatsächlich fand sich eine äusserst enge Stollenlinse die zu mächtigen Teilen mit Schlamm gefüllt war.

Gina im Löchli Uzwil

Gina im Löchli Uzwil

Ein Stollen welcher zweifelsohne etliche Jahre auf fleissige Hände und neugierige EntdeckerInnen wartete. Ein Stollen aber auch welcher trotz unseres Fleisses nur scheu Einblicke gewährte zumal die Gangdimensionen bei zunehmender Tiefe kontinuierlich abnahmen. Trotzdem, es entstand am 10. Mai 2013 eine Geschichte aus meiner Tastatur genannt diese Braunkohlebergwerk Löchli bei Uzwil.

Infolge unserer Erkundung und Ginas Kontakten gestalteten wir wenig später ein kleiner Vortrag an der GV der Vereinigung für Kulturgut Uzwil welcher durchwegs positives Echo erntete. Und auch die Lokalpresse liess nicht lange auf sich warten und berichtete über unsere Befahrung unter dem Titel Löchli steckt voller Abenteuer

Lagebesprechung im Val Tisch

Lagebesprechung im Val Tisch

Am Langzeitprojekt Val Tisch, über welches ich, leider, gemäss beschlossenen Abkommen mit der Gemeinde Bergün, nur weniges berichtet darf, war Gina massgeblich beteiligt. Immer wieder trieb uns die Neugierde in dortige Höhen auf knapp 2500 Metern über Meer. Gina stehts die erste an Schaufel und Pickel war selten zu bremsen sobald ein Schuttberg das zu erkundende Geheimnis trennte. Die letzte noch erlaubte Geschichte im Blog am 18. Mai 2013 unter, Eisenbergwerk Val Tisch so is es

Gina im Bergwerk Chalttal

Gina im Bergwerk Chalttal

Ein nicht minder spannendes Geheimnis birgt das Chalttal mit dessen Kupferbergwerk welches zu letzten Jahren Uran versprach. So mystisch der Gsponwald wirkte so verworren waren die Spuren damaliger streng geheimer Bergbauzeugen. Wir, damals in Viererbesetzung, machten uns auf die, nie so richtig dokumentierten, Anlagen genauer zu erkunden. Es gelang uns den Einstieg durch den zugebauten Stollenmund in das geheimnisvolle Stollenwerk. Auch hierbei entstand ein Blogeintrag welcher die gesammelten Erkenntnisse zu ordnen versuchte, zu finden dieser unter Uranier und sonstwie Hochdekorierte.

Nicht weit fern, ein längst gehegter Traum von mir, den Einstieg ins Bergwerk Erzbett, auch Kupfer, im wunderschönen Mürtschental. Klar, auch dabei, Gina im legendären pinken Pulli.

Gina auf der Halde Bergwerk Erzbett

Gina auf der Halde Bergwerk Erzbett im Dialog mit den Schmetterlingen

Zu 3en stiegen wir auf die mächtige Halde in Absicht diese, nur selten erkundete, Bergbau-Anlage zu beforschen. Da der Einstieg richtig eng wurde, half uns Gina, die am Mundloch über unsere Sicherheit wachte, beim Aus und Einkriechen zwischen den engen Felsspalten.

Die Geschichte vom 6. August 2013 auf Kupfergrube Erzbett Mürtschenalp

Gina im Stollen Guppenalp

Gina im Stollen Guppenalp

Das Eisenwerk Guppenalp aus dem 16ten Jahrhundert war auch zweimalig Anlass zur Befahrung. In Gemeinschaft entstand eine sehr umfangreiche Arbeit die all die alten Legenden hervorkramte und damaliges zu rekonstruieren versuchte. An diesen zweien Touren versuchten wir alle noch verborgenen Stollenwerke aus Spätmittelalter aufzuspüren und in den damaligen Zusammenhang vorindustrieller Zeit einzufügen.

Abgesehen vom Blog mit den Artikeln Guppenalp das Ende der Seeungeheuer und Guppenalp, keine Seeungeheuer entstand die Seite Eisenwerke Guppenalp welche etwas Klarheit in diese Glarner Industrieepoche zu bringen versucht.

 

Nicht minder spannend und obendrein deutlich sportlicher, die Entdeckung der Südaufbrüche im Kohlebergwerk Schlafegg.

Gina am Abseilen im Gesenk

Gina am Abseilen im Gesenk

Gina freundete sich schnell mit Seil und Abseilachter an und bekletterte mutig mit uns, damals zu 4t, den Schrägschacht in die Grundstrecke Süd 2 hinunter. Auch diese Befahrung war Teil eines Langzeitprojektes zum Thema Kohlebergwerk Schlafegg.

Die resultierte Geschichte Kohlebergwerk Schlafegg weitere Tiefsichten

Es folgten etliche weitere Befahrungen in Schweizer Berge die ich hier nicht tiefer erläutern möchte, um kurz einige zu nennen.
27. Oktober 2013 Urserianische Kupfererze (Ursera / GR)
5. Dezember 2013 Rodebärger Tiefsichten (Diessenhofen / TG)
18. Dezember 2013 Neuparadiesische Unterwelten (Schlatt / TG)
2. Februar 2014 Kohlebergwerk Rossweg (Adliswil / ZH)
12. Februar 2014 Das Geheimnis des Steinebrechers (Walenstadt / SG)
1. März 2014 Seemühlisches Nachzeichnen (Walenstadt / SG)
11. März 2014 Boltingen Bergwerk Klus, Langzeiteinblicke (Boltingen / BE)

Gina im obersten Mundloch Grube Klus

Gina im obersten Mundloch Grube Klus

Unsere letzte gemeinsame Befahrung fand am Karfreitag den 18.4.2014 in Boltigen, Grube Klus, statt.

Gina verstarb am Ostersonntag den 20.4.2014 überraschend an Herzversagen.

Gina, ein Mensch welcher mich bis zu letzt tief bewegte

Die Vitalität, die Gelassenheit und die Fröhlichkeit welche Gina immer wieder, in jeder nur erdenklichen Gelegenheit, zu artikulieren wusste, stärkte mein Glauben an eine bessere, humanere und herzhaftere Zukunft. Herzblut war Ginas Devise und was sie anpackte war definitiv stimmig mit ihrer Wesensart.

Gina im Chalttal

Gina im Chalttal

Frei von etlichen absurden Konvektionen bewegte sie bis zuletzt die Herzen und die Emotionen ihrer Mitmenschen. Ich war beeindruckt mit welcher Lockerheit sie Szenengrenzübergreifend Kontakte und Beziehungen aufzubauen vermochte. Kontaktfreudig war milde gesprochen eines ihrer passendsten Prädikate.

Kontrastreich waren wir beide in Schweizer Berge unterwegs, während ich scheu in 4Farbentarnkleidung im Gestrüpp zu verschwinden versuchte, pflegte Gina in grellen Farben und zumeist Pink-Pulli eine rege Kommunikation mit dortig ansässigen Schmetterlingen.

Transpersonen verfügen über magische Kräfte, Gina verkörperte kompromisslos diese oft beschriebene Magie.

Gina wusste zu verzaubern und wenn ich heute vieles von ihr nicht kenne, so lernte ich ein wunderbarer Mensch kennen. Leider, und mir unbegreiflich, war unsere Begegnung von schmerzlich kurzer Dauer.

Gina,

Gina im Sommer 2013

Gina im Sommer 2013

  • Bergbauforscherin
  • Vortriebmineurin
  • Abbrucharbeiterin
  • Grossmühlenverkablerin
  • Vertreterin
  • Forscherin
  • Harmonisiererin
  • Schamanin
  • Freidenkerin
  • Humanistin
  • Transaktivistin
  • BDSMlerin

Ein Platz in unser aller Herzen und in der Erinnerung solle Dir auf Ewig sein.

Luisa

8 Antworten auf Gina Rickenmann

  1. Matti sagt:

    Liebe Luisa
    Herzlichen Dank für deine schönen Worte.
    Auch mir wird Gina immer im Herzen bleiben mit ihrer kompromisslosen Fröhlichkeit und Kontaktfreudigkeit.
    Der Pinke Pullover wird mir beim herauskriechen aus dem nächsten Loch definitiv fehlen.
    Matti

  2. Luisa sagt:

    Es ganz grosses Dankeschön Dir lieber Matti für Dein Erstkommentar.

    Liebi Grüessli

    Luisa

  3. Loreen Demund sagt:

    Danke liebe Luisa
    Du hast Gina sehr treffend beschrieben!
    Und ich finde es schön einen Nachruf auf Gina zu widmen.
    Danke Dir dafür!
    Liebe Grüsse vu de Loreen

  4. Luisa sagt:

    Das Dankeschön gebührt Dir fürs niederlegen dieses lieben Kommentars.

    Liebi Grüessli

    Luisa

  5. Lia-Raymona sagt:

    Ein wunderschönes Porträt von Gina und absolut passend.
    Leider haben ich und Bea auch viel zu wenig Zeit mit Gina verbracht.
    Sie hatte ein so grosses Herz das sie auch gerne einmal öffnete.
    Diese Momente werden wir nie vergessen. Gina wird immer in unserem Herzen sein welche manchmal auch wie ein verschütteter Stollen sein kann.

  6. Beat sagt:

    Liebe Luisa

    Ein wunderschönes Portrait über einen wichtigen Teil von Gina, von dem ich nur wenig wusste. Sie hat zwar zwei-dreimal davon erzählt, aber wir waren halt wegen einer ganz anderen Thematik mit ihr in Kontakt. Ich habe Gina als Teil unseres Teams „Travestienight“ immer wieder treffen dürfen. Wir hatten viel Spass, auch wenn ich nie mit ihr gleichzeitig auf der Bühne stand. Hat sie doch im Travestieteil, ich im Cabaretteil mitgewirkt. Aber für die Proben kam sie immer zu uns nach Hause und so war man immer im Gespräch. Wir vermissen eine liebe Freundin, die mit Begeisterung und Disziplin an der Sache war.

  7. Waschkuhn,J. sagt:

    mit Bedauern haben wir heute erst erfahren, dass Gina verstorben ist.
    Wir haben Gina nicht persönlich gekannt, nur über den geschäftlichen Weg.
    Wir möchten auf diesem Weg der Familie,Verwandten und Bekannten unser
    Mitgefühl zum Ausdruck bringen.Das Porträt hat uns viel über den Menschen gezeigt.
    Besten Dank dafür.
    Fam. Waschkuhn aus Wolferode, Deutschland

  8. Luisa sagt:

    Ich bedanke mich recht herzlich für die hier so zahlreich erfolgten Kommentare.

    Wenn doch ich hier ein nur ganz kleiner Einblick einer sehr vollen Person wiedergeben könnte, so beleuchtete Eurer dazutun, ganz andere Aspekte von Gina.

    Ich freue mich dass diese Webseite, wie auch die Seite von Hansjürg Keller, auch dank Eure Kommentare, die Erinnerung an Gina weiterhin aufrecht haltet.

    Möge Gina in unser Herzen weilen.

    Liebi Grüessli

    Luisa

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