Verborgene Kohlen

Eine kleine Geschichte anhand einiger Beispiele zum Deutschschweizer Kohleabbau aus Jahren in denen die Kohle viel Kohle wert und teuer war. Wir nennen die Jahre 1850 bis 1950 doch insbesondere erwähnenswert die Zeit um die beiden Weltkriege als damalig jeder Aufwand wert war um in unmöglichsten Orten dem Fels dies kostbare Gut zu entlocken.

Standorte Schweizer Kohleabbau 1850 bis 1950

Standorte Schweizer Kohleabbau 1850 bis 1950

Es waren einige Orte, im Wallis aber auch das Berner Oberland wie auch im Mittelande wo die Kohle, mit mehr oder minder grossem Erfolg, aus dem Felsen gezogen wurde. Genannt werden vom Büro für Bergabau im Jahre 1940 ganze 52 Abbauorte im Schweizer Land. Während im Wallis hauptsächlich Anthrazitkohle gefördert wurde waren im Mittellande wie auch im Berner Oberland Braunkohlen die Objekte der tapferen Suche.

Auf der Karte rot markierte Punkte waren von mir ausführlich erkundete Abbauanlagen darum hier hauptsächlich eine Geschichte um die dreien Gruben Gottschalkenberg, Horn und Schlafegg.

Verschiedene Abbauperioden mit unterschiedlichem Erfolg waren von verschiedensten Gesellschaften und Einzellpersonen mit viel Aufwand initiiert worden. Oft ist deren genaue Geschichte schwer rückverfolgbar. Während professionelle Gesellschaften die Abbautätigkeit teils minutiös dokumentierten, haben oft Einzellpersonen und kleinere Unternehmungen kaum der Nachwelt Informationen niedergelegt. Auch das legendäre Büro für Bergbau, eine Substelle des damaligen Schweizer Kriegsministeriums, welches zu Weltkriegszeiten akribisch informativen zu nationalen Bergwerken zusammentrug, wusste teils wenig über wild in den Berg geschlagene Stollen zu erzählen. So bleibt, insbesondere bei Zweiteren, der spannende Erkundungseinstieg in diese unterirdischen Welten um Näheres zu erfahren. Was damals zu Rohstoffknappen Tagen das Büro für Bergbau gleich tat.

Einige Beispiele nun aus unseren Einstiegen um Schweizer Kohle

Gottschalkenberg

Gottschalkenberg Fahrstollen im Wurf

Gottschalkenberg Fahrstollen im Wurf

Über den Nordhang des Gottschalkenbergs verbergen sich zahlreiche Stollen die von unterschiedlichsten Personen und unternehmen angelegt waren. Teils gibt’s kaum Geschichte zu diesen. Viele dieser Gruben sind versunken im Waldboden einige jedoch bieten interessante Einblicke in vergangene Geschichte.

Grubenstandorte 2011

Grubenstandorte 2011

Im Gottschalkenberg üben sich die verschiedensten Charaktere im Graben was die unterschiedlichsten Stollensysteme hervorbrachte. Gemessen an der Menge um die 30er Jahre vorhandener Stollen, es sollen gegen 20 Einstiege in den Berg gewesen sein, ist wenig bekannt über all dieser Urheber.

Zweierlei Stollen sind mir trotz intensiver Suche als interessant und geschichtlich nennenswert geblieben. Die noch verbleibende Grube im Greit und, auch noch begebar, die Grube im Wurf wissen viel über die damalig rauen Zeiten zu berichten

Die Gruben im Greit, so wird berichtet, sollen der Theologe Kaspar Josef Staub und der Schlosser Hegglin um 1837 angelegt haben. Mit finanzieller Unterstützung des Kaufmanns Heinrich Wolfensberger  kamen weitere Stollen im Greit dazu indes war damals wie heute das auffindbare Kohleflöz von bescheidenen 10 cm Mächtigkeit. Die eine geringe Ausbeute, Bergbautechnische Unerfahrenheit und ein verschwenderischer Lebensstil führen Kaspar Josef Staub 1840 in den Konkurs. Trotzdem tröpfelte dies Bergwerk immer wieder vor sich hin. Die Gemeinde Menzingen spricht von einem Abbauende 1844. Und doch bleibt die Grube Greit wie auch die weiter unterhalb angesiedelte Grube im Wurf, wo mir bis heute deren Urheber gänzlich verschleiert bleiben, im Gespräch.

Grube im Wurf 1941

Grube im Wurf 1941

So erleben 1941 die Gruben, insbesondere jene im Wurf ein regelrechtes Revival. Gebrüder Sulzer, erfahrene Gonzenbergbauer und co treffen sich am Hauptstollen im Wurf zur technologischen Hochrüstung des Bergwerks. Fahrstollen werden angelegt oder ausgebaut und weitere Sondiervortriebe sollen anwachsende Kohleschichten aufsprühen helfen. Die geförderte Kohle wird vom Fahrstollen weg auf Fahrzeuge, Pferdefuhrwagen und Lastwagen geladen.

Stollenprofil 1941

Stollenprofil 1941

1943 indes ist auch dieser Aktionismus definitiv erloschen, die Sodierstollen brachten nicht die erhoffte Neuentdeckung und das bescheidene Kohleflöz war gemessen am Aufwand kaum Abbauwürdig.

 

 

 

Fahrstollen mit 10cm durchquerendem Kohleflöz

Fahrstollen mit 10cm durchquerendem Kohleflöz

Über die abgebaute Kohlemenge ist wenig, mir gar nichts, bekannt. Die Kohle indes ist, wie mein Versuch zeigte, von exzellenter Qualität. Insbesondere für damalig weit verbreitete Zimmeröfen  macht die Kohle ganz schön Warm ohne haufenweise Asche zurück zulassen.

Es wird gar erzählt es solle das Zürichseedampfschiff Minerva in kurzer Zeit während des 19ten Jahrhunderts mit Greitkohle betrieben worden sein.

Links zum Thema Gottschalkenberger Kohle zu meinem Blog verweisend
Im Greit
Gottschalkenberg die Letzte
Die Molassekohle Greit und Wurf
Die erste Suche verborgener Stollen
Das Geheimnis des Eisendeckels
Gottschalkenberg
Das Geheimnis der zwei Fragezeichen
Die Gottschalkenberger Kohlegruben
Der Weg des Wassers

Horn Kandertal

Bergwerk Horn im 2011

Bergwerk Horn im 2011

Weit oberhalb von Kandergrund, auf sportlicher Höhe zwischen 1587 und 1727 Meter über Meer, findet sich nahe Innerhorn ein weit verzweigtes Stollensystem tief in den Berg hinein reichend. Das Foto zeigt die beiden Förderstollenmundlöcher mittels welchen, über einen Schräglift, die Kohle hinaufzogen wurde, um sie anschliessend nach kurzem Zwischenhalt im, am Felsen angeklebten, Silo weiter auf die Seilbahn zu verladen.

Der Blick des Fotoapparates war entsprechend 1945 die Sicht welche sich den bis zu 128 Arbeitern bot bei Schichtbeginn. Einzig die damals aufwendig am Fels aufgebauten Holzgebäude, Seilbahnbergstation mit Siloaufbau, die Lawinengalerie und der Technikvorbau sind verschwunden. Auch die Unterkunftsbaracken, mein Fotostandort, sind weggebaut.

Zur Geschichte
Die Zündwarenfabrik Kandergrund AG lies 1940 oberhalb Kandergrund nach Kohle suchen. Auf rund 1660 Meter westlich der Alp Horn, wo teils noch heute schwarzer Stein im Felsen gut sichtbar, mögliche Braunkohlenester ankündigt, waren die Männer fündig. 1941 wurden die Seilbahn, die am Felsen angehefteten Gebäude und ein primäres Stollennetz aufgebaut.

Rollstollen auf 1629 Meter

Rollstollen auf 1629 Meter

Am Gegenende der Seilbahn in Kandergrund auf 810 Meter über Meer wurde eine Sortieranlage eingerichtet mit welcher die Kohlestücke von Hand endsortiert wurden. Hauptabnehmer dieser qualitativ eher minderer Braunkohle war die Firma Sandoz in Basel welche sich 1945 an der Bergbau-Gesellschaft Kandergrund AG. beteiligte.

Ein 15 Kilometer langes Stollennetz solle bis 1945 im Berg hinein geschlagen worden sein. Auch wird erzählt von einer Batterieelektrolok die in gewissen Streckenabschnitten Schwerstarbeit leistete.

Genaueres zum Bergwerk
Es war für damalige Verhältnisse ein modernes Bergwerk, welches auf verschiedenen Ebenen, mir Schrägstollen untereinander verbunden, Braunkohle förderte. So waren in der unterirdischen Kompressorkaverne, neben der Trafostation angesiedelt, 5 Kompressoren mächtig am Luft machen für den Betrieb der Abbauhämmer im Untergrund. 1947 und 1948 erreichte die Produktion ihren Höhepunkt ehe 1949 die Bergbautätigkeit mangels Rendite eingestellt wurde.

Bergwerk Horn Kandergrund 1946

Bergwerk Horn Kandergrund 1946 (gross machen, anklicken)

Im verzweigten Stollensystem welches sich, bis 1948, auf 5 Fahrstollenebenen verteilte, waren immer wieder grössere Braunkohlenester abgebaut worden. Während man den wertlosen Abraum über die Stollen (9), (11), (12) den Berg hinunter gekippte, war die Braunkohle über Schräglifte und die nicht gefundene Batterieelektrolok, Richtung Hauptförderstollen (8) transportiert worden. Mit Hilfe der Schräglifte in den Förderstollen (8), wahrscheinlich zwei von denen, wurde das Abbauwürdige Material Tagwärts hinauf gezogen.

An der Seilbahnbergstation (7) war die nächste Vorsortierung des Gesteins angesiedelt. Braunkohle landete im Silo zur Weiterverladung auf die Schwerkraftseilbahn (13), sonstig nicht weiterverarbeitbares Material wurde den steilen Hang hinunter gekippt.

Werkstattkaverne

Werkstattkaverne

In den Unterkunftsbaracken (1) lebten die Bergarbeiter. Weiter oben, unterirdisch im Fels eingelassen, war das Trinkwasserreservoir (2) für Küche und Waschräume installiert. Etwas unterhalb auch im Felsen hineingesprengt verbargen sich Technik und Werkstätten. Die mächtige Halle (3) bot Platz für 5 Pressluftkompressoren. In der Kaverne (4) waren die Transformatoren untergebracht die aus 11 000 Volt, die Betriebsspannung der Bergwerksmaschinen bereitstellten. Weiter hinten auch im Berginnern mit Verbindung sowohl zur Trafostation wie auch zur Kompressorhalle findet sich eine Werkstatt und Magazinkaverne. Diese Versorgungsanlagen waren mittels, am Fels festgemachter, Lawinengalerie (6) mit der Seilbahnbergstation (7) verbunden. Da sowohl im Sommer wie auch im Winter gefördert wurde, war ein robuster  Lawinenschutz an exponierten Stellen unabdingbar.

Seigerriss Hauptförderstollen Schnitt A-A

Seigerriss Hauptförderstollen Schnitt A-A

Der Schnitt A – A zeigt den Seigerriss des nordwestlichen Hauptförderstollens (8) zu Zeiten des aktiven Abbaus 1945. Der Schräglift beförderte die Braunkohle vom Rollstollen hinauf zu der Siloanlage in der Seilbahnbergstation (7). Mittels klappe am Silo wurden die Seilbahngondeln aufgefüllt die dank Schwerkraft Talwärts auf 810 Meter rollten. Die Aufgefüllten Gondeln wiederum zogen über die Umlenkrolle die leeren Gondeln hinauf.

Das Bergwerk förderte in der Zeitspanne von 1941 bis 1947 rund 55 000 Tonnen Braunkohle. Kohleproduktion indes war am Höhepunkt der Produktion noch bis 1949 aktiv. 1951, so wird berichtet, das Gross der Anlagen rückgebaut worden.

Heute sind weite Teile des Stollennetzes verstürzt. Der Querschlag ist nicht mehr erreichbar. Die wenigen noch verbleibenden Stollen sind in schlechtem Zustand folglich sehr gefährlich.

Links zum Thema Bergwerk Horn zu meinem Blog verweisend
Die Letzte Geschichte Kohlebergwerk Horn, es war einmal
Die Zweitgeschichte, die Anschlussgeschichte Kohlebergwerk Horn
Die Erstgeschichte mit schönen Bildern, Kandergrunder Kohle